PHILIP LETHEN
- Photographie -

Philip Lethen hat jenen Blick, der ihn Situationen erkennen lässt, die andere übersehen. Er sieht jenes Fenster in der Plastik-Mosaik-Fassade eines Vorstadt-Hauses mit ramponiertem Entlüfter, angegammeltem Lamellenvorhang und dahinvegetierenden Kakteen in alten Tontöpfen. Er weiß, wie er das abgenutzte Motiv eines Nachens auf einem Teich aufwertet: Indem er es in die Diagonale kippt. Philip Lethen photographiert immer 1.1, Blitz benutzt er nie. Dafür ist ihm die Handwerklichkeit seines Metiers zu wichtig. Er kennt die technischen Neuerungen und spielt gezielt mit ihnen - aber die alte Hasselblatt ist ihm lieber. Weil er nicht festgelegt werden will, nutzt er unterschiedliche Sujets und Herangehensweisen, verfremdet dokumentarisch anmutende Motive in seiner selbst erprobten Entwicklungstechnik farblich. Durch die Fragmentierung der menschlichen Gestalt - zwei unterschiedliche Blickwinkel auf ein- und denselben Menschen in einem Bild versucht Lethen mehr zu zeigen. Durch das Spiel mit Schärfe und Unschärfe arbeitet er räumliche Feinheiten heraus und durch die Kombination von Motiven fängt er Stimmungen ein: Der Augenblick erweitert sich zu einer Kurzgeschichte.

Dass ihn der filmische Aspekt der Photographie reizt, beweisen auch der Videodreh für Jansen "Das Haus von Charles Wilp" und sein Kurzfilm "Wolieberg" der Anfang 2000 Premiere in Kön feierte.

In 2000 erscheinen zwei Bücher von Lethen, die den Niederhein aus einem ganz anderen Blickwinkel erscheinen lassen eine Publikation des Kulturraum Niederrhein e.V. über die Region zwischen Arnheim und Mönchengladbach sowie der Krimiführer "Mörderischer Niederrhein" der Autoren Leenders/BaylLeenders.

Text: Martin Kreymann